BdB-Jahrestagung 2020 in Leipzig


Absage der Jahrestagung und Delegiertenversammlungg

Die Ereignisse bzgl. des Corona-Virus (Covid-19) überschlagen sich weiter. Aufgrund der aktuellen Situation hat der BdB-Vorstand beschlossen, die Jahrestagung vom 23. bis 25. April 2020 und auch die Delegiertenversammlung am 24. April ersatzlos abzusagen. Entscheidungsleitend war dabei vor allem, Klarheit zu schaffen, weil keine realistische Möglichkeit einer Durchführung der Tagung mehr gesehen wird und der Verband damit auch seinen Beitrag zur baldigen Bewältigung der aktuellen Krisensituation leisten möchte.

 

Im Hinblick auf Teilnahmegebühren, Übernachtungen und gebuchte Fahrkarten gelten für alle Teilnehmer/innen und an der Tagung Beteiligte daher folgende Regelungen:

  • Teilnahmegebühren: Alle Anmeldungen zur Tagung werden umgehend von der Geschäftsstelle storniert. Tagungsbeiträge, für die ein Lastschriftmandat erteilt wurde, werden nicht eingezogen und bereits gezahlte Teilnahmegebühren zeitnah rückerstattet.

  •  Zimmerreservierungen: Zimmerbuchungen im pentahotel Leipzig, die über das Kontingent des BdB gebucht wurden (via Online-Buchung über den Buchungslink des pentahotels oder auch E-Mail oder Telefon), werden automatisch mit der Stornierung der Tagung vom pentahotel mitstorniert. Dies betrifft auch die an die Tagung angrenzenden Übernachtungen. Kosten zu Ihrem Nachteil entstehen dabei nicht.

  • Teilnehmer/innen mit Zimmerreservierung über den Buchungslink zur Tagung erhalten darüber hinaus automatisch vom pentahotel eine Stornierungsmitteilung per E-Mail. Für Zimmerreservierungen aus dem Buchungskontingent zur Tagung, die per E-Mail oder Telefon erfolgt sind, wird das Hotel keine eigene Stornierungsmitteilung versenden. Die Stornierung ist trotzdem gültig. Sollten Sie hier dennoch unsicher sein, können Sie sich mit dem pentahotel in Verbindung setzen.

  • Für Zimmer, die über andere Portale (z.B. booking.com, HRS usw.) im pentahotel Leipzig gebucht wurden, gelten die Stornierungsregelungen der jeweiligen Anbieter. Diese Zimmer müssten bitte individuell storniert werden.

 

Zudem gelten Kulanzregelungen der Deutschen Bahn bei Stornierung und Umtausch von Fahrkarten. Nähere Informationen erhalten Sie über die Deutsche Bahn.

 

Wir bedauern sehr, dass die Tagung unter den aktuellen Umständen abgesagt werden muss. Umso mehr hoffen wir, dass Sie im nächsten Jahr wieder mit dabei sind. Dann tagt der BdB - mit neuem Konzept - vom 22.-24. April 2021 wieder im Kongresshotel Potsdam am Templiner See, Am Luftschiffhafen 1, 14471 Potsdam. Bitte merken Sie sich den Termin bereits vor.

Bleiben Sie gesund!

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Exposés zu Arbeitsgruppen und Foren

AG 1: Aufgabe der Betreuung: Unterstützte Entscheidungsfindung im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes

Rainer Sobota, Achim Rhein

Die Unterstützte Entscheidungsfindung ist in aller Munde und kaum jemand kann sagen, was das tatsächlich ist. 2014 hat der nach Art. 34 UN-BRK gebildete Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen („General Comment Art. 12, Committee on the rights of persons with disabilities“) genauere Anforderungen an die Unterstützung zur Ausübung der Rechst- und Handlungsfähigkeit beschrieben. Derzeit ist die rechtliche Betreuung das einzige offizielle staatliche Instrument, diesen Unterstützungsanspruch sicherzustellen.


Die weitere Einführung und Umsetzung des BTHG hat gezeigt, dass zur Umsetzung der Ziele dieses Gesetzes vor allem im Antrags- und Bewilligungsverfahren, der Teilhabe- und Gesamtplanung, erhebliche Unterstützungsbedarfe bei den Menschen entstehen, die einen Betreuungsbedarf haben. Die personenzentrierte Bedarfserhebung und Leistungsbewilligung genauso wie die personenzentrierte Leistungserbringung stellen erhebliche Anforderungen an die Fähigkeiten zur Selbstsorge und Selbstverantwortung.


In der Arbeitsgruppe soll vor allem ein Austausch darüber stattfinden, wie Betreuer/innen diesen Anforderungen nachkommen können

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AG 2: Bundesteilhabegesetz: Existenzsichernde Leistungen mit Schwerpunkt auf besondere Wohnformen und Verträge nach dem Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz (WBVG)

Susanne Weber-Käßer, Anja Pfeifer

Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) ist zum 01.01.2017 mit der ersten Reformstufe in Kraft getreten, die zweite folgte zum 01.01.2018. Mit der weiteren Stufe zum 01.01.2020 erfuhr die bisherige Eingliederungshilfe nach SGB XII einen kompletten Systemwechsel.

In das SGB IX wurde erstmals ein eigenes spezielles Leistungsrecht integriert. Auf Klienten, die in der besonderen Wohnform leben, kamen umfangreiche Änderungen zu und damit auch auf Betreuer/innen als deren rechtliche Vertreter. Die Fachleistung wurde von der existenzsichernden Leistung getrennt. Insbesondere im Bereich der existenzsichernden Leistungen kam es zu grundlegenden Veränderungen: statt Barbetrag, Grundsicherung und Wohngeld. Dies setzt sich fort bis zur Anpassungen der Heimverträge unter Berücksichtigung des Wohnbetreuungsvertragsgesetzes (WBVG).

  • Was ist eine besondere Wohnform?

  • Was bedeutet Trennung existenzsichernde Leistung und Fachleistung?

  • Welche Folgen entstehen aus der Trennung der Leistungsarten?

  • Was müssen wir als Betreuer/innen für unsere Klientinnen und Klienten veranlassen?

  • Wie sichern wir die Teilhabe der Klient/innen ab?

In dieser Arbeitsgruppe werden die zentralen Punkte der Reform vorgestellt. In der Arbeitsgruppe ist es ausdrücklich erwünscht, dass die Teilnehmer/innen eigene Fälle aus ihrer beruflichen Arbeit mitbringen, um diese gemeinsam zu besprechen. Ziel ist es, eine Hilfestellung zu bieten und einen Leitfaden für die praktische Arbeit zu entwickeln.

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AG 3: Umgang mit Klient/innen mit affektiven Störungen (Depression - Manie - Bipolare Störungen)

Prof. Dr. Wolfgang Schwarzer, Heike Looser

Affektive Störungen (schwere Depressionen, Manische und Bipolare Störungen) gehören zu den „klassischen“ psychischen Erkrankungen, die häufig eine gesetzliche Betreuung erforderlich machen, wenn die Betroffenen krankheitsbedingt nicht in der Lage sind ihre Angelegenheiten zu regeln.


Dabei bilden besonders die manischen und bipolaren Störungen für Betreuerinnen eine große Herausforderungen, weil die Betroffenen in ihrem psychotischen Überschwang und fehlendem Realitätsbezug unsinnige und nicht bezahlbare Ausgaben tätigen, die sie in den Ruin treiben können. Der Umgang mit anderen Menschen und Behörden kann verletzend, beleidigend oder sogar körperlich aggressiv sein. Oft kann nur ein Einwilligungsvorbehalt Schlimmes verhindern.


Die Veranstaltung bietet einen Überblick über die affektiven Störungen mit einer Beschreibung der Krankheitsbilder, an Hand von Beispielen werden Besonderheiten und typische Herausforderungen für die Betreuerinnen und Möglichkeiten des besseren Umgangs mit Betroffenen und Behandlungsmöglichkeiten und Grenzen verdeutlicht.


• Was sind affektive Störungen?
• Besondere Herausforderungen depressiver und
  manischer Episoden
• Medikamentöse und psychologische
   Behandlungsmöglichkeiten und Prophylaxe
• Elektrokonvulsionstherapie: Folter oder Rettung?
• Fallbeispiele und typische „Fallen“ für Betreuerinnen und
  Betreuer
• Konsequenzen für den professionellen Umgang mit
  Betroffenen


Fragen und Beispiele der Teilnehmerinnen sind ausdrücklich erwünscht

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AG 4: Deeskalierende Strategien bei schwierigen Gesprächen und Situationen im Betreuungsalltag

Sabine Waldow, Fred Rehberg

Im Umgang mit Klient/innen stehen beruflich tätige Betreuerinnen und Betreuer nicht selten vor herausfordernden Situationen. Beispielsweise der Umgang mit psychotischen Menschen, Konflikte oder Kontakte mit Klient/innen mit impulsiv-aggressivem Verhalten stellen hohe Anforderungen an die professionelle Haltung und die Kommunikation. Dabei stellen sich Fragen wie:

 

Wie ist das Verhalten meines Klienten einzuordnen?
Wie gehe ich mit Angst vor Übergriffen um?
Wie vermeide ich eine Eskalation oder sorge für Deeskalation?
Welche Verhaltensweisen und Techniken sind dafür geeignet?

 

Ausgehend von den persönlichen Erfahrungen der Teilnehmer/innen werden in der Arbeitsgruppe praktisch anwendbare Handlungsmöglichkeiten für den Betreuungsalltag gemeinsam erarbeitet. Ziel ist ein Zugewinn an Handlungsfähigkeit und Souveränität.

 

Dafür beleuchten wir in der Arbeitsgruppe zum einen die theoretischen Hintergründe für das Auftreten solcher Situationen. Zugrunde liegt die Annahme, dass impulsives Verhalten niemals einen Selbstzweck darstellt sondern das als schwierig empfundene Verhalten durch subjektive Gründe erklärbar ist. Dabei werden kommunikations- und aggressionstheoretische Ansätze berücksichtigt.

 

Zum anderen geht es um konkretes Handwerkszeug für diese Situationen. Dabei fragen wir nach Gestaltungsspielraum bei angespannten Begegnungen, nach kommunikationspsychologischen Techniken der Deeskalation und der Bedeutung von Körpersprache und Stimme. Günstige und weniger förderliche Verhaltensweisen sowie Möglichkeiten des Selbstschutzes werden diskutiert.

 

In der Arbeitsgruppe werden real erlebte Beispiele der Teilnehmer / der Referenten besprochen. Zusammengetragene Strategien werden demonstriert und versuchsweise angetestet.

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AG 5: Rahmen der Zusammenarbeit von Psychiatrie und Betreuung

Dr. Candelaria Mahlke, Gwen Schulz, Andrea Schwin-Haumesser

Artikel 12 der UN-BRK sagt, dass Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen
gleichberechtigt Rechts- und Handlungsfähigkeit zusteht. In den Richtlinien zu Artikel 14 der UN-BRK (Freiheit und Sicherheit der Person) wurde auf die schweren Menschenrechtsverletzungen hingewiesen, die durch fürsorglichen Zwang und fremdbestimmte Stellvertretung an behinderten Menschen begangen werden. Auch in Bezug auf Krisensituationen und bei vermeintlich gefährlichem Verhalten weisen die Richtlinien auf die Notwendigkeit Unterstützter Entscheidungsfindung bei Wahrung des Respekts vor dem Willen und den Präferenzen der behinderten Person hin (Degener 2019). Wie lässt sich das im Betreuungsalltag umsetzen? Wie können Betreuende Ihre Klientinnen und Klienten bei Entscheidungen in Bezug auf psychiatrische Behandlung unterstützen? Es gibt in der psychiatrischen Praxis Instrumente, wie z.B. die Behandlungsvereinbarung oder die Patientenverfügung um den Willen einer Person festzuhalten.


Die Perspektive von Peers / Genesungsbegleiter/innen sind für den Prozess der Unterstützten Entscheidungsfindung besonders wertvoll, da sie häufig eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Perspektiven der Akteure schlagen können.
Ihre besondere Aufgabe, z.B. beim Formulieren einer Behandlungsvereinbarung, liegt darin, sich wirklich an die Seite eines Menschen zu stellen und auf der Grundlage von Solidarität zu ermutigen, eigene Vorstellungen und Wünsche, z.B. im Falle einer Aufnahme in die Psychiatrie, zu entwickeln. Gleichzeitig ist es wichtig – auch das auf der unbedingten Grundlage von Solidarität und nicht von Macht –, die Grenzen des Möglichen aufzuzeigen bzw. ehrlich zu reflektieren, wo die Un-Möglichkeiten liegen. Eine wichtige Funktion ist hier das Übersetzen – in beide Richtungen. Verhalten von Betroffenen kann Angst machen, kann tatsächlich selbstschädigend sein und ein Eingreifen nötig machen. Es kann aber auch missverstanden werden, sodass Akteure im Hilfesystem zu früh den Eindruck haben, sie müssten stellvertretend Verantwortung übernehmen, vor allem, wenn in einer angespannten Situation keine Verständigung mehr möglich scheint (Schulz 2019). Hier genau zuzuhören, die andere Perspektive eventuell zu vermitteln und transparent zu machen und so ein gegenseitiges Verständnis überhaupt zu ermöglichen, ist eine Kernaufgabe von Genesungsbegleiter/innen. Was können wir daraus für die Unterstützte Entscheidungsfindung im Betreuungsalltag und in der Zusammenarbeit mit der Psychiatrie ableiten?

 

In dieser Arbeitsgruppe soll es um die Möglichkeit und Umsetzung der Unterstützten Entscheidungsfindung im Rahmen der Betreuung und der psychiatrischen Versorgung gehen. Das Thema soll aus unterschiedlichen Perspektiven (Wissenschaft, Peer/Genesungsbegleitung und Betreuung) beleuchtet und die Umsetzung in den Betreuungsalltag anhand von Praxisbeispielen aus der Seminargruppe diskutiert werden.

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AG 6: Grundlagen und Methoden der Kollegialen Beratung

Anette Fey, Michael Heßler

Zum professionellen Handeln in der rechtlichen Betreuung gehört neben fachlichem Wissen und beruflicher Erfahrung auch ein guter und gesunder Umgang mit sich selbst und seinem alltäglichen Stress. Wie auch die (geleitete) Supervision, dient die Kollegiale Beratung der psychischen Arbeitsentlastung und des beruflichen Austausches in einer Gruppe. Sie bietet eine lebendige Möglichkeit, konkrete Praxisprobleme aus dem Berufsalltag zu reflektieren und mit Hilfe der Teilnehmer/innen zu einer Lösung zu gelangen. Die Besonderheit dieses Konzepts liegt darin, dass sich die teilnehmenden Personen wechselseitig beraten und die Gruppe eigenständig agiert.

 

Unter Kollegialer Beratung versteht man ein strukturiertes Verfahren, dass mit Hilfe verschiedener Methoden und einer klaren Handlungsorientierung ein systematisches Vorgehen möglich macht. Um die Kollegiale Beratung anwenden zu können, bedarf es des Kennenlernens dieser Beratungsmethode.
Wir verstehen unsere Arbeitsgruppe auch als Workshop, in dem die Teilnehmer/innen sowohl einen theoretischen Überblick, als auch praktische Anwendung üben können.

 

Die beruflichen Hintergründe der AG-Referenten (systemische Beraterin, Supervisorin und Therapeutin; ganzheitlicher Konfliktberater, Dialogbegleiter mit Weiterbildung in Lösungsorientierter Gesprächsführung) bilden die Voraussetzung für den systemisch-lösungsorientierten Beratungsansatz, der dem vorgestellten Konzept zu Grunde liegt.

 

Zu folgenden Fragestellungen werden in der Arbeitsgruppe Inhalte präsentiert:

• Welche Voraussetzungen sollte ich mitbringen, um an
   einer Kollegialen Beratungsgruppe teilzunehmen?
• Was brauche ich, um eine Gruppe zu starten, bzw. daran
   teilzunehmen?
• Wie sehen die Regeln aus?
• Welche Rollen/Aufgaben sollte es geben?

Auch werden wir uns in dieser Arbeitsgruppe mit folgenden Themenbereichen (Methoden, Hintergründe) befassen: Fragetechniken, Grundhaltung der Gruppenmitglieder, verbale/nonverbale Kommunikation, systemische Fragen, Reflecting Team und
Aktives Zuhören.

 

 

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AG 7: Vorbeugung von Haftungsschäden in der Betreuungspraxis

Christian L. Fritz, Götz Lebuhn


Die Arbeitsgruppe befasst sich mit den vielfältigen Risiken der Betreuertätigkeit und den Möglichkeiten, Haftungsrisiken zu erkennen, zu vermeiden und zu versichern. Ein Blick in die Praxis.


Regress- und Haftungsgrundlagen

- strafrechtliche Haftung insbesondere Vermögensdelikte
- zivilrechtliche Haftung, § 1833, 823 BGB
- öffentlich rechtliche Haftung/Kostenersatzansprüche der
  öffentlichen Hand
- Haftung gegenüber dem Betreuten
- Haftung gegenüber Dritten
- Aktivlegitimation und Verjährungsfragen

Haftungsmanagement

- Checklisten, Fristensystem
- Dokumentation und Aktenführung
- Entlastungserklärungen
- betreuungsgerichtliche Genehmigung
- Auslagerung / Delegation

Versicherungsschutz

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AG 8: Aktuelle rechtliche Entwicklungen in der Betreuung

Kay Lütgens

Gegenstand der Arbeitsgruppe werden nach jetzigem Stand u.a. die folgenden Themen sein:

• Informationen zu einigen „kritischen Punkten“ der neuen Vergütungsregelungen und - soweit bis dahin vorhanden - erste Rechtsprechung dazu,

• soweit bis dahin vorhanden, erste Rechtsprechung zum Umgang mit dem BTHG,

• aktuelle Gerichtsentscheidungen mit Bedeutung für die Betreuungsarbeit

und mehr.

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AG 9: Arbeitsteilung im Betreuungsbüro: Delegation, Mitarbeiterführung und Anleitung von Sachbearbeitung im Betreuungsbüro und Betreuungsverein

Eberhard Kühn, Mandy Catic, Hennes Göers

Ein Betreuungsbüro effektiv und professionell zu gestalten und gleichzeitig genügend Zeit für die Klientinnen und Klienten zu haben – dies vor allem vor dem Hintergrund der Unterstützten Entscheidungsfindung – ist nur mit Hilfe von Mitarbeiter/innen zu verwirklichen.

Doch es reicht nicht, Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen nur anzustellen. Diese müssen möglichst klar auch angeleitet werden. Für eine strukturierte Delegation muss klar sein, welche Tätigkeiten übernommen werden können. Nur so gelangen wir zu einer qualifizierten Sachbearbeitung und uns bleibt genügend Zeit für Kontakte mit unseren Klientinnen und Klienten.

In der Arbeitsgruppe sollen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Möglichkeit erhalten, Erfahrungen mit der Anstellung von Mitarbeiter/innen auszutauschen. Ebenso sollen Erwartungen, Fragen und möglicherweise Unsicherheiten von Kollegen und Kolleginnen benannt werden, die bisher noch nicht die Hilfe von Mitarbeiter/innen in Anspruch nehmen.

Anschließend werden verschiedene Möglichkeiten der Arbeitsteilung im Betreuungs-büro bzw. Betreuungsverein vorgestellt und Vor- und Nachteile dieser Modelle betrachtet. Auch rechtliche Konsequenzen bei der Anstellung von Mitarbeiter/innen werden beleuchtet.

Ergebnis der Arbeitsgruppe sollte sein, Klarheit zu bekommen, in welchen Situationen, Bürokonstellationen und wem die Unterstützung durch Mitarbeiter/innen hilft, auch wenn nicht alle Fragen der Anstellung und Mitarbeiterführung bis ins Detail geklärt werden können.

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AG 10: Wenn die Berufung zur Belastung wird: Gesundheitsrisiken für einzeltätige Berufsbetreuer/innen

Jana Krenkel, Manuela Flehmer

Seit Jahren nehmen Belastungen im Berufsleben zu. Die hohen Anforderungen und komplexen Probleme mit schwierigen Klient/innen gehören zum Alltag selbstständig tätiger rechtlicher Betreuerinnen und Betreuer. Immer mehr Betreuer/innen kommen an ihre psychischen und physischen Grenzen. Die meisten rechtlichen Betreuer/innen sind freiberuflich tätig und unterliegen keinen gesetzlichen Arbeitsschutzrichtlinien. Gefährdungsbeurteilungen oder andere Schutzmöglichkeiten gibt es für sie nicht.

 

In Deutschland arbeiten ca. 12.000 selbstständige rechtliche Betreuerinnen und Betreuer. Sie werden vom Betreuungsgericht bestellt und sind für sich selbst verantwortlich. Die Arbeitssituation der rechtlichen Betreuer hat sich in den letzten Jahren zugespitzt. Die Anforderungen und Belastungen an sie sind deutlich gestiegen. Um sich vor Arbeitsdruck, Stress und Belastungen zu schützen muss, sich jede Betreuerin und jeder Betreuer unter selbstkritischen Gesichtspunkten um seinen eigenen Schutz vor psychischen Belastungen bemühen.

 

Insgesamt steigen die psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren zunehmend. Derzeit belegen sie den zweiten Platz der häufigsten Krankheiten. Sowohl die Arbeit mit psychisch kranken Menschen als auch die eigene psychische Belastung spielen im Beruf des rechtlichen Betreuers eine ständige Rolle.

 

Neben den psychischen Gefährdungen, welchen beruflich tätige Betreuer/innen im Arbeitsalltag ausgesetzt sind, gehören auch körperliche Gefährdungen, die zu Erkrankungen führen können. Es gibt sicherlich klassische Punkte diesbezüglich, aber auch sehr individuelle.

Beim klassischen Eigenschutz geht es um den Schutz vor körperlichen Übergriffen von Klient/innen oder Dritten. Diese unterschwellige Gefahr ist Betreuern objektiv oftmals nicht bewusst. Der Schutz der Psyche und der körperlichen Unversehrtheit wird auf Grund komplexer schwieriger Klienten-Strukturen immer mehr in den Vordergrund rücken.

 

Die Arbeitsgruppe richtet sich an Betreuerinnen und Betreuer, die sich in ihrer Arbeit mit physischen und psychischen Belastungen angesprochen fühlen. Er befasst sich mit den persönlichen, täglichen Anforderungen, die die eigentliche Betreuungsarbeit nicht betrifft. Es handelt sich hierbei um verbale Gewalt wie Beleidigungen, Drohungen oder Erpressung. Zudem kommen körperliche Übergriffe wie latente Aggressivität, die z.B. in Form von Schlagen, Treten, Spucken oder Ähnlichem enden kann. Zusätzlich geht es im Arbeitsalltag um die Zeitkomponente, Gesetzesänderungen und stetige Unterbrechungen, z.B. bei Krisensituationen und bei Veränderungen in den einzelnen Fällen. Es darf nicht vergessen werden, dass es sich dabei unter Umständen um das Management von 50 verschiedenen, sehr komplexen, vielfältigen Lebenssituationen handelt in denen der Betreuer oder die Betreuerin unterstützend und rechtlich regelnd  zum Wohl und Wunsch des Betreuten handeln soll / muss. Betreuer/innen sind daher für viele Menschen stetig im Außen unterwegs. Sich selbst stellen sie dabei häufig in den Hintergrund.

 

Mit den Teilnehmern der Arbeitsgruppe werden Erfahrungen ausgetauscht und Techniken erarbeitet, wie jeder bzw. jede achtsam mit der eigenen Situationen umgehen kann. Es wird ein Leitfaden/Gefährdungsbeurteilung zu den eigenen „Baustellen“ erstellt, die sich schwerpunktmäßig um die Bereiche psychische Gesundheit, Abgrenzung, Angehörigenarbeit, Haftung und körperlichen Eigenschutz drehen.

 

 

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AG 11: Aufgabe und Verantwortung von Betreuer/innen beim Umgang mit Psychopharmaka (und Therapien in den verschiedenen Settings)

Dr. Dr. Stefan Weinmann, Jochen Halbreiter

Prinzipiell darf jeder Mensch selbst darüber bestimmen, welche ärztlichen oder medizinischen Maßnahmen er im Krankheitsfall in Anspruch nimmt. Ärztliche Behandlungen stellen in der Regel aber einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit dar, in welche der Patient einwilligen muss. Die ärztliche Position ist dabei die einer medizinisch-sachkundigen Beratung und Empfehlung.


In der betreuungsrechtlichen Praxis treten an dieser Stelle aber bei allen Beteiligten eine Vielzahl von Unsicherheiten und Fragen auf. Wer muss denn aufgeklärt werden und wie? Wer willigt ein? Wer würde im Zweifelsfalle denn haften? Relevante Stichworte wären hier „freier Wille“; „Einwilligungs(un)fähigkeit“ und „Vertretungsrecht“.


Bei einwilligungsunfähigen Patienten müssen Betreuer mit dem Aufgabenbereich der Gesundheitssorge in jede psychiatrisch-ärztliche Behandlung – insbesondere in die Medikamentengabe - der Betroffenen einwilligen. Inwieweit sind vertiefte Kenntnisse über die Medikamente und deren Wirkungen und Nebenwirkungen beim Betreuer hierzu erforderlich, um dem Klienten gerecht zu werden? Wann sind gerichtliche Genehmigungen für welche therapeutischen Maßnahmen erforderlich?


Daneben beeinflussen oftmals unterschiedliche Behandlungssettings die jeweilige Therapie. Es gibt einen Grenzbereich zwischen medizinischer Behandlung und pädagogischer Beeinflussung. Die Rolle der jeweiligen Akteure in diesem Bereich ist oftmals nicht transparent.


Die Ausgestaltung der Zusammenarbeit zwischen behandelndem Arzt und gesetzlichem Betreuer hinsichtlich der Einnahme von Psychopharmaka wirft oft eine Reihe von Fragen in der Praxis auf, die in dieser Arbeitsgruppe diskutiert werden sollen.

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AG 12: Führen von Vormundschaften

Christian Kästner, Martina Schulz-Polat

Die Klientinnen und Klienten in der Betreuung werden in den letzten Jahren immer jünger, daher nehmen auch Klienten mit eigenen Kindern zu. In der Auseinandersetzung der Zuständigkeiten wird immer mehr deutlich, dass häufig die Kinder unserer Klient/innen keine ausreichende gesetzliche Vertretung haben. Die gesetzliche Betreuung ist für die Vertretung der Kinder nicht zuständig. In der Vergangenheit haben wir als Betreuer viele Angelegenheiten für die Kinder im Rahmen unserer Betreuung mit erledigt, ohne Zuständigkeit und Bezahlung.

 

Des Weiteren ziehen sich immer mehr Jugendämter hinsichtlich der Führung von Vormundschaften und Pflegschaften für minderjährige zurück, Familiengerichte schätzen die flexible und unabhängige, aber hoch professionelle Arbeit der Einzelvormünder/Ergänzungspfleger. Dies ist eine Chance für Berufsbetreuer/-innen, in diesem Bereich Fuß zu fassen. Die beiden Referenten der AG  führen bereits seit mehreren Jahren Ergänzungspflegschaften und Vormundschaften für Minderjährige.

 

In dieser Arbeitsgruppe soll der Unterschied zwischen Vormundschaften und Ergänzungspflegschaften sowie die Vergütung der Tätigkeit erläutert und Hinweise gegeben werden, wie man sich bei Jugendämtern und Familiengerichten bewirbt. Außerdem soll auf Unterschiede zur gesetzlichen Betreuung hingewiesen werden. Dies wird aufgrund der Praxiserfahrung der Referenten an Fallbeispielen anschaulich erläutert.

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AG 13: Handlungsmöglichkeiten bei der Betreuung von Klient/innen in desorganisierten Wohnsituationen

Johanna Wessels, N.N.

Messie-Syndrom, Wertbeimessungsstörung, Verwahrlosung, pathologisches Horten…  das Phänomen Wohnungsdesorganisation ist nicht nur in seiner Begrifflichkeit vielschichtig. Erhalten betroffene Personen keine gelingende Unterstützung, spitzen sich meist auch weitere Problemlagen neben der prekären Wohnsituation zu. Dem Handlungsdruck von Seiten der Vermieter und Behörden steht ein Hilfesystem gegenüber, das kaum adäquate Unterstützungsangebote vorhalten kann, so dass Berufsbetreuer/innen oftmals hilflos mit der Komplexität der Problemlagen desorganisiert lebender Menschen konfrontiert sind.

Die Arbeitsgruppe vermittelt Kenntnisse zum Entstehungshintergrund, zum Erscheinungsbild und zu Handlungsmöglichkeiten im Kontext von Wohnungsdesorganisation. Neben der Vermittlung von Wissen über das Phänomen Wohnungsdesorganisation, erlernen die Teilnehmenden Methoden für die praktische Arbeit mit den betroffenen Personen.

Folgende Themen werden im Rahmen der Arbeitsgruppe angesprochen:

 

  • Erscheinungsbild und Besonderheiten von Wohnungsdesorganisation

  • Erklärungsansätze: Desorganisation als Bewältigungsstrategie und im Kontext von Bindungsstörungen

  • Biografische Einflussfaktoren auf die Desorganisation

  • Voraussetzungen für die Arbeit mit den Betroffenen und Handlungsmöglichkeiten

  • Hilfesystem und Möglichkeiten zur Unterstützung aktiv oder passiv sammelnder Menschen am Beispiel der Stadt Hamburg

Die Idee und inhaltliche Ausgestaltung der Arbeitsgruppe ist im Forschungsprojekt adele: (Wieder-)Eingliederung alter, desorganisiert lebender Menschen in das Hilfe- und Unterstützungssystem (Projektlaufzeit 01.2017-04.2020) an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg entstanden. Das dreijährige, mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geförderte Projekt hat die Lebenslage und die Unterstützungsmöglichkeiten desorganisiert lebender Menschen in Hamburg untersucht. Hierbei hat sich herausgestellt, dass desorganisiert lebende Menschen auf mehreren Ebenen einem hohen und doppelten Exklusionsrisiko ausgesetzt sind und zugleich hochkomplexe Hilfebedarfe haben. Die Ergebnisse des Projektes fließen in die Arbeitsgruppe mit ein und dienen als Grundlage des Workflows zur Frage, welche Handlungsmöglichkeiten es im Rahmen der Betreuung von Klient/innen in desorganisierten Wohnsituationen gibt.

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Forum A: Reform weiterdenken und Qualität ernst nehmen!

Expert/innen aus der Facharbeitsgruppe 2 im BMJV und Thorsten Becker (BdB-Vorsitzender)

Moderation: Dr. Harald Freter

Zwischen Juni 2018 und November 2019 führte das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) einen breit angelegten interdisziplinären und partizipativen Diskussionsprozess „Selbstbestimmung und Qualität im Betreuungsrecht“ durch. Im Rahmen dieses Prozesses erarbeiteten zahlreiche Akteure des Betreuungswesens Grundlagen für ein Gesetzgebungsvorhaben zur Reform des Betreuungsrechts. In den Facharbeitsgruppen 1 und 2 ging es dabei um die Stärkung des Selbstbestimmungsrechts bei der Betreuerauswahl, der Betreuungsführung und der Aufsicht und um Betreuung als Beruf. Die Arbeitsgruppen stellten übergreifend fest, dass in einer Vielzahl von Handlungsfeldern gesetzgeberischer Änderungsbedarf bei den einschlägigen betreuungsrechtlichen Vorschriften besteht, der alle Akteur/innen des Betreuungswesens betrifft. Dabei wird davon ausgegangen, dass alle Akteure (Betreuer/innen, Betreuungsvereine, Betreuungsbehörden und Betreuungsgerichte) weiterhin unverzichtbare Säulen für die Umsetzung des Betreuungsrechts darstellen.

 


Im Zentrum der geplanten Reform sollen die Klientinnen und Klienten der Betreuung stehen, an deren individuellen Unterstützungsbedarfen sich das Gesamtsystem Betreuung orientieren soll. Es soll daher darauf ausgerichtet sein, Klient/innen einerseits Zugang zur konkret erforderlichen Unterstützung bei der Ausübung ihrer rechtlichen Handlungsfähigkeit, andererseits den erforderlichen Schutz im Falle erheblicher Selbstgefährdung zukommen zu lassen.
Ein zentrales Element der Reform soll die Etablierung eines bundesweit einheitlichen Zulassungs- und Registrierungsverfahrens sein. Die Frage ist, wie genau dieses Verfahren ausgestaltet und welche konkreten Voraussetzungen das Gesetz vorsehen soll. Unstreitig dürfte dabei das Kriterium der persönlichen Eignung und Zuverlässigkeit sein. Hingegen wird kontrovers beurteilt, ob es darüber hinaus auch bundeseinheitlich festgelegte fachliche Eignungsanforderungen wie bestimmte Berufsqualifikationen oder Sachkundenachweise geben soll und welche Auswirkungen dies auf die Vergütungsfestsetzung haben wird.


Über diese und andere Themen aus dem Reformprozess werden Expertinnen und Experten aus den Facharbeitsgruppen 1 und 2 diskutieren.

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Forum B: Betreuungsvereine im Wandel?

Expert/innen aus der Facharbeitsgruppe 3 im BMJV und Hennes Göers (BdB-Vorstand)

Moderation: Heike Looser

Das BMJV sieht die Querschnittarbeit der Betreuungsvereine für wichtig an. Die Ministerien der Länder müssen dies umsetzen. Die Finanzierung ist aber in den Ländern sehr unterschiedlich, von voller bis zu gar keiner Finanzierung oder kommunaler Förderung. Ohne die Förderung ist aber eine Unterstützung der ehrenamtlichen Betreuer und Betreuerinnen nicht möglich. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die Betreuungsvereine in den Ländern und müssen ihre Pflichtaufgaben erfüllen.

 

Wir möchten mit Teilnehmer/innen der Fach-AG 3 im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und Kollegen/innen aus den Betreuungsvereinen darüber ins Gespräch kommen.

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Forum C: Behörden und Gerichte vor neuen Herausforderungen

Expert/innen aus der Facharbeitsgruppe 4 im BMJV und Jochen Halbreiter (BdB-Vorstand)

Moderation: Anja Pfeifer

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Forum D: Dem Beruf ein Gesicht geben: Berufsbild und Berufsidentität

Expert/innen aus Fachlichkeit, Wissenschaft, Behörde und Gericht und Rainer Sobota (BdB-Vorstand)

Moderation: Andrea-Schwin-Haumesser

Komplexer werdende Lebenslagen bei einer gleichzeitigen Individualisierung von Hilfeansprüchen und Problemlösungsverpflichtungen führen dazu, dass die Betreuung intensiver als bisher eigene Unterstützungsangebote vorhalten muss. Unter anderem der Anspruch auf Unterstützte Entscheidungsfindung nach Art. 12 UN-BRK und die Verpflichtung für Betreuer/innen, dieses Angebot vorzuhalten, führt dazu, dass das Bild der Betreuung nach außen geschärft und die Berufsinhaber mehr als bisher eine berufliche Identität entwickeln müssen.


Das vorhandene Berufsbild soll den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden und die Berufsinhaber/innen müssen diesem Bild in ihrer täglichen Arbeit ein Gesicht geben. In dem Forum sollen unter Berücksichtigung der bis dahin bekannten Reformvorstellungen des Bundes für die rechtliche Betreuung verschiedene Vorstellungen oder Ideen dazu dargestellt und diskutiert werden.

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