Materielle Interessenvertretung

Fallzahlbegrenzungen


Ein Thema, das immer wieder für Unruhe unter den Berufsbetreuer/innen sorgt ist, wie viele Betreuungen sollte / kann ein Berufsbetreuer maximal übernehmen? Der Gesetzgeber will  keine formelle Begrenzung der Fallzahlen, weil er weiß, dass jeder Fall individuell und unterschiedlich zu bewerten ist. In der Praxis sieht es teilweise anders aus: Behörden und Gerichte vor Ort handhaben das Thema unterschiedlich.  Es gibt keine transparenten Verfahren aber eine mehr oder weniger ausgeprägte ‚informelle‘ Steuerung im Rahmen der Betreuerbestellung, die die Gefahr der Willkür in sich birgt. Rechtlich geregelt ist: Neben der jährlichen Mitteilungspflicht des Betreuers über  die Zahl der von ihm im Kalenderjahr geführten Betreuungen, hat der Berufsbetreuer –  im Rahmen der Betreuerbestellung – über Zahl und Umfang seiner aktuell geführten Betreuungen zu informieren.

Stolperstein in Hamburg

In Hamburg kündigte Ende 2013 die Betreuungsbehörde den Berufsbetreuer/innen mit, weitere Daten von ihnen zu erheben, wie Größe des Büros, Anzahl der Klient/innen, zeitlicher Umfang, Anzahl der Hilfskräfte.  Das formulierte Ziel der Hamburger Behörde sei die Begrenzung der Fallzahlen auf 50 bis 60 Fälle, um die Qualität zu sichern. 

Unsere Position dazu: Eine Fallzahlbegrenzung allein ist nach wie vor überhaupt kein geeignetes Mittel, um die Qualität in der Betreuung abzusichern. Es bedarf einer wirklichen Auseinandersetzung um die Qualität in der Betreuungsarbeit pro Fall (Standards) und keines fachfremden Formalismus. Und solange sich die derzeitigen Rahmenbedingungen nicht verbessern, gefährden Maßnahmen wie starre Fallzahlbegrenzungen noch zusätzlich die Auskömmlichkeit der Tätigkeit als Betreuer/in, ohne dass ein Schritt in Richtung Qualität erreicht wird.

Durch eine Änderung der Vergütungsregeln muss eine wirtschaftliche Grundlage dafür geschaffen werden, dass Betreuer/innen mehr Zeit für den einzelnen Klienten aufwenden können. Behörden und Gerichte müssen personell so ausgestattet werden, dass sie die freien Kapazitäten eines Betreuers nicht nur anhand der nicht aussagekräftigen reinen Fallzahlen sondern, in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit ihren Betreuern, anhand aller für die Frage der Qualität der Betreuungsarbeit, relevanten Faktoren, bewerten.