20 Jahre BdB

Interessenvertreter, Dienstleister, Fachverband und Lobbyist


Gründungsidealismus und Wachstum

1992 hatten Jutta Bienwald und Waltraud Sarna auf dem Vormundschaftsgerichtstag zur Gründung einer Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) aufgerufen. Aus dieser rund 40 Mitglieder starken BAG heraus gründete sich dann am 19. Februar 1994 in Frankfurt/Main der BdB e.V. Bereits im ersten Jahr seines Bestehens stieg die Mitgliederzahl des Verbandes auf über 250 Personen – ein deutlicher Beleg für den Bedarf einer berufsständischen Organisation für Betreuer/innen. Die ersten Jahre waren geprägt von Gründungsidealismus und Wachstum. An der Mitgliederversammlung 1996 nahmen 120 Betreuer/innen teil, vor allem der Austausch und das Lernen voneinander standen im Mittelpunkt. Auch die Öffentlichkeitsarbeit bildete von Anfang an einen Schwerpunkt: die erste Verbandszeitschrift erschien ebenfalls 1996. Themen auch damals schon: materielle Sicherheit, Verbesserung der Situation, Berufsbild, Anforderungsprofil für fachlich qualifizierte Berufsbetreuer/innen.

Erstes Betreuungsrechtsänderungsgesetz

Trotz massiver Proteste des BdB wird 1998 das erste Betreuungsrechtsänderungsgesetz (1. BtÄndG) eingeführt. Die Diskussion und klare Haltung des Verbandes in diesem Zusammenhang brachten ihm steigende Mitgliederzahlen und erstmals auch die Aufmerksamkeit der Politik. In den Jahren bis 1998 wurde nicht nur die politische Arbeit forciert, die Verantwortlichen erweiterten auch den Service für die Mitglieder. So wurde ein umfassender Versicherungsservice zur beruflichen Absicherung ins Leben gerufen und das Weiterbildungsangebot mit externen Partnern ausgeweitet. Da das 1. BtÄndG darauf abzielte, Betreuer/innen ausschließlich auf die gesetzliche Vertretung ihrer Klient/innen zu beschränken, stellt der Verband ab jetzt ganz deutlich die Frage nach der sozialen Komponente des Berufs. Schon hier positioniert er sich eindeutig: Betreuung wird von sozialen Fachkräften erbracht, deren Arbeit deutlich über die der reinen Rechtsvertretung hinausgeht.

Erste Geschäftsstelle, neuer Vorstand

Diese Haltung bildet auch die Grundlage für das 2003 verabschiedete Berufsbild und sollte in den kommenden Jahren immer wieder Ausgangspunkt für die Forderung nach einer angemessenen Vergütung sein – denn die Bezahlung der als notwendig erachteten sozialen Arbeit war und ist nirgends vorgesehen.
Das Engagement des Verbands bringt nicht nur einen Zugewinn an politischer Reputation, auch  die Mitgliedszahlen steigen weiter an. Im Jahr 2000 werden in Hamburg-Altona erstmals eigene Geschäftsstellenräume eröffnet, zwei Verwaltungsmitarbeiterinnen  und der Verbandsjurist arbeiten dort. Im selben Jahr schreibt der Verband erstmals die Stelle einer hauptamtlichen Geschäftsführung aus und engagiert Anette Reinders in dieser Funktion. Etwa zur gleichen Zeit beginnt  es in der Verbandsführung zu kriseln. Es kommt zu  einem Misstrauensantrag und Neuwahlen, nach denen  Klaus Förter-Vondey im Mai 2001 den Vorsitz des Verbandes übernimmt, sein Stellvertreter damals wie heute Hennes Göers.

Professionalisierung und Qualitätsentwicklung

Es folgen dynamische Jahre, in denen der Verband Antworten finden muss auf Fragen nach Professionalisierung, Ökonomisierung, Qualitätsentwicklung und -sicherung, nicht zuletzt auf dem Hintergrund des 2005 in Kraft getretenen 2. Betreuungsrechtsänderungsgesetzes mit seinen Fallpauschalen und neu geschaffenen Vergütungsgruppen. Der BdB stellt seine Öffentlichkeitsarbeit neu auf, organisiert sieben bundesweite politische Kampagnen, entwickelt eine Berufsethik und Leitlinien, ein Berufsbild und eine Berufsordnung. Er ruft das Qualitätsregister ins Leben und entwickelt die Methode „Betreuungsmanagement“ sowie einen Masterstudiengang. Die Kontakte zur Fachöffentlichkeit werden unter anderem durch sieben hochkarätig besetzte Fachkonferenzen gestärkt, das Konzept zur Geeigneten Stelle entsteht, zudem die Reformüberlegungen „Betreuung 20+“. In dieser Zeit zieht der Verband zweimal um: 2003 in die Hamburger Innenstadt und 2006 mit nunmehr acht Mitarbeiter/innen in größere Räumlichkeiten in Rathausnähe.
Ende 2010 verlässt Anette Reinders den BdB, ihr Nachfolger wird  im März 2011 Harald Freter, der vorher bereits als Referent für Sozial- und Gesundheitspolitik für den Verband tätig war. Nach dem Arbeitsbeginn des neuen Geschäftsführers werden die Strukturen der Geschäftsstelle des Verbandes und der Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Geschäftsstelle neu geordnet, mehr Aufgaben werden an die einzelnen Fachreferenten delegiert und die Kommunikation zwischen allen Organen des Verbandes intensiviert, um stärker projektorientiert arbeiten zu können. Im selben Jahr gründet der Bundesverband das Institut für Innovation und Praxistransfer in der Betreuung (ipb).

2013 mit Erfolgen reich belohnt

Im Dezember 2013 bezieht der BdB eine Büroetage in der Hamburger Schmiedestraße, die Platz sowohl für die mittlerweile 14 Mitarbeiter/innen als auch für die Veranstaltungen und Seminare des Instituts bietet.
Die langjährige verbandspolitische Arbeit wird 2013 mit ersten Erfolgen belohnt: So fällt endlich die Umsatzsteuerpflicht für Berufsbetreuer/innen. Zudem nimmt die neu gewählte Regierung Betreuung als Passus mit in ihren Koalitionsvertrag auf. Dort steht: „Wir wollen das Betreuungsrecht in struktureller Hinsicht verbessern und damit das Selbstbestimmungsrecht hilfebedürftiger Erwachsener bedarfsgerecht stärken.“ Angesichts der Tatsache, dass Reformüberlegungen in den Ländern und Justizministerien vor allem auf eine Kostenreduzierung abzielen, verstärkt der BdB derzeit seine politischen Aktivitäten noch einmal mit dem dringenden Ziel, die materielle Situation der Berufsinhaber/innen zu verbessern. Auch in den nächsten Jahren wird Professionalisierung den Verband beschäftigen. Nach wie vor stehen Regelungen der Berufszulassung, einer Ausbildung und der Selbstverwaltung der Profession Betreuung aus.